[Regelwerke] Komplex oder lieber einfach?

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Björn
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[Regelwerke] Komplex oder lieber einfach?

Beitragvon Björn » Mittwoch 24. Mai 2017, 07:53

Eine Frage beschäftigt mich schon eine ganze Weile. Wie umfangreich muss ein Regelwerk sein?

Anstoß zu dieser Überlegung gab mir die Hintergrundwelt von Conan. Und zwar habe ich bei der Wahl des Spielsystems gleich mehrere Möglichkeiten, mich aber für zwei Kandidaten entschieden. Das Amüsante daran: Sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Da ist zum einen RuneQuest 6, welches mit seiner Simulationsdichte und Möglichkeiten keine Fragen offen lässt und zum anderen Barbarians of Lemuria, welches eher abstrakt zu Werke geht. Besonders im Magie-Bereich.
Nun mag ich detaillierte und komplexe Regelwerke sehr gern. Ich habe gerne Regelwerke, die einen großen Teil von Eventualitäten abdecken. Allerdings mag ich, seit kurzem, auch schnelle und unklomplizierte Regelwerke am Spieltisch.

Mir ist aufgefallen, dass das Interesse für "große" Regelwerke rückläufig ist. Zumindest ist es bei mir in den Gruppen so. Niemand will mehr viel lesen und sich die Arbeit machen, ein komplexes System zu erlernen. Somit bin ich es meistens, der den Spielern die Regeln näher bringen muss, was mich massiv stört. Denn oftmals wird der Spielfluss von 100 auf 0 gebremst, weil wieder irgendeine Regelfrage beantwortet werden muss. Oder es muss anderweitig in Büchern herumgesucht werden usw. Das kenne ich so nur von D&D :D Also habe ich mal versucht die ganze Sache aus einer anderen Perspektive zu sehen. Mehr und mehr bin ich der Meinung, dass ein Rollenspiel mit so wenig Regeln wie möglich auskommen sollte, damit sie jeder versteht, und das schnell. Es bringt mir nichts, wenn ich ein großer Freund von RQ6 oder Hârnmaster bin, am Spieltisch aber niemand dieses Interesse mit mir teilt, und schon gar nicht, wenn sich die holde Spielerschaft weigert das Regelwerk zu lesen, um dann zumindest die Grundkenntnisse zu beherrschen. Also muss der Spielleiter noch eine Vielzahl zusätzlicher Dinge erledigen, wohingegen sich die Spieler einfach zurücklehnen und sich mit Wissen berieseln lassen können.

Diese Tatsache stellt meinen Grundgedanken und die Befürwortung eines "großen" Systems in Frage. Natürlich spielt auch das mangelnde Interesse der Spieler dann eine Rolle, was bestimmt nicht in allen Gruppen so deutlich zu spüren ist.

Vielleicht muss ich von meinen "Lieblingen" weg und mich den Spielern ein Stück weit anpassen. Technisch würde dann eben zum Beispiel Conan mit BoL gespielt und nicht mit RQ6. Prinzipiell stört es mich auch nicht, nur wird damit eben ein gänzlich anderer Ansatz verfolgt. Ich tausche ein simulationslastiges, tödliches und logisches Regelwerk gegen ein schnelles, unkompliziertes und heroisches.

Würde gerne mal eure Meinung dazu hören.
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Alandor
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Re: [Regelwerke] Komplex oder lieber einfach?

Beitragvon Alandor » Mittwoch 24. Mai 2017, 09:08

Ich bin mittlerweile auch ein großer Freund der kleinen und schnellen Regelwerke.
Mir fehlt einfach heute die Zeit mich noch in komplexe Sachen einzuarbeiten, ich möchte meinem Hobby frönen.
Es ist schön, wenn ein Regelwerk alle Eventualitäten abdeckt, aber es muss ja nit aufgeblasen sein.
Beyond the Wall z.B. hat mich da den richtig Ansatz.
In 15 Min. Charaktere plus Dorf erstellt und los geht es. Die Regeln sind leicht zugänglich und decken für mich alles ab.

Solange doch "Alle" Spaß am Tischen haben, ist das Regelwerk doch egal.



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Re: [Regelwerke] Komplex oder lieber einfach?

Beitragvon Bobby » Mittwoch 24. Mai 2017, 10:10

Wenn man mit einer begeisterten Truppe eine lange Kampagne spielen will, dann kann es auch gerne was komplexes sein. Tatsächlich gefallen mir Systeme wie Shadowrun sehr gut und arg viel komplexer geht kaum. Für One-Shots sind sie dafür kaum zu gebrauchen.

Ein gutes Mittelding ist Call of Cthulhu, das recht schnell zu lernen ist, aber auch nicht zu einfach daher kommt.

Im Bereich Mittelalter/Fantasy finde ich Dragon Age ziemlich gut im Verhältnis Spaß zur Komplexität. Paranoia liest sich bisher auch super einfach und verspricht viel Spaß zu bereiten.
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Re: [Regelwerke] Komplex oder lieber einfach?

Beitragvon blut_und_glas » Donnerstag 25. Mai 2017, 11:14

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Re: [Regelwerke] Komplex oder lieber einfach?

Beitragvon obaobaboss » Donnerstag 25. Mai 2017, 17:34

Schwierig, bin da ein sehr komplizierter Kunde, weil ich je nach Wahl ständig die Vorteile des jeweils anderen vermisse. Aber momentan, da wir nicht mehr so häufig zum Spielen kommen, tendiere ich auch zu einfachen Regelwerken, wo man schnell wieder im Spiel ist.
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Re: [Regelwerke] Komplex oder lieber einfach?

Beitragvon Koronus » Sonntag 11. Juni 2017, 07:12

Ich bin eher der Freund von Simulationistischen Regeln auch wenn D&D BEAM meine Lieblingsedition ist. Falls aber eine entschlackte Version des P&P es geben würde, wäre ich auch nicht abgeneigt da meine Gruppe eher auf Storyteller stehen. Vorausgesetzt es geht dabei das Gefühl nicht verloren also man es nicht so macht wie in Shadowrun ANARCHY.
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Re: [Regelwerke] Komplex oder lieber einfach?

Beitragvon Athair » Montag 12. Juni 2017, 18:55

Alandor hat geschrieben:Ich bin mittlerweile auch ein großer Freund der kleinen und schnellen Regelwerke.
Mir fehlt einfach heute die Zeit mich noch in komplexe Sachen einzuarbeiten, ich möchte meinem Hobby frönen.
Es ist schön, wenn ein Regelwerk alle Eventualitäten abdeckt, aber es muss ja nit aufgeblasen sein.
Beyond the Wall z.B. hat mich da den richtig Ansatz.
In 15 Min. Charaktere plus Dorf erstellt und los geht es. Die Regeln sind leicht zugänglich und decken für mich alles ab.
Das würde ich so unterschreiben. Außer, dass Beyond the Wall in meinen Augen regelseitig relativ "unausgewogen" ist. Manches wirkt ohne Not zusammengestöpselt. Ist trotzdem ein tolles Spiel und die regelseitigen Schwachstellen sind nicht so schlimm, weil sie nicht das "Grundgerüst"/die Kernregeln betreffen. Da mit Hausregeln nachzubessern ist wirklich super einfach.

Allerdings gibt es durchaus auch komplexe Spiele, die ich ganz gern mag und bereit bin mich (wieder) reinzufuchsen. Da muss allerdings auch die Chance bestehen, dass die Spielrunde mitzieht und sich drauf einlassen will.

Was mir lange gefehlt hat sind wirklich "skalierende" Systeme. Also Spiele, die mit einem einfachen Regelwerk anfangen und die relativ beliebig komplex skalierbar sind. Seit ich Rolemaster Express erwerben konnte, sollte das zumindest zum Teil behoben sein. Ich kann mit den 85 Seiten anfangen und mit dann mit den Rolemaster-Classics-Sachen Stück für Stück Regeln/Details dazu holen. In RMX sind auch Tipps und Hilfen drin, wie man das macht. Im Buch selbst wird darauf eingeganen und eine Erklärung geliefert, wenn die RMX-Regeln von den RMC-Regeln abweichen.


Alandor hat geschrieben:Solange doch "Alle" Spaß am Tischen haben, ist das Regelwerk doch egal.

Jein.
a) Ja, wenn verschiedene Regelwerke gleichermaßen dazu beitragen, dass die Spielenden auf ihre Kosten kommen, dann ist egal welches man nimmt.
b) Verschiedene Regelwerke unterstützen verschiedene Spielweisen. Entsprechend bedienen Regelwerke bestimmte Spaßquellen der Spieler.innen oder eben nicht - oder was dazwischen. Daher macht es schon einen Unterschied, welches Spiel man konkret auspackt.

... darin ist übrigens der Grund zu finden, warum ich für Sword & Sorcery nicht BoL nehme, sondern Crypts & Things. Das basiert (ähnlich wie Beyond the Wall) auf altem D&D (Rote Box & Co.). Weitere Ausführungen finden sich hier. Was ich an OSR-Spielen generell mag: Hier entlang.

BoL ist mir zu cinematisch für das, was ich von Sword & Sorcery erwarte.
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Re: [Regelwerke] Komplex oder lieber einfach?

Beitragvon Björn » Dienstag 13. Juni 2017, 08:54

Athair hat geschrieben:... darin ist übrigens der Grund zu finden, warum ich für Sword & Sorcery nicht BoL nehme, sondern Crypts & Things. Das basiert (ähnlich wie Beyond the Wall) auf altem D&D (Rote Box & Co.). Weitere Ausführungen finden sich hier. Was ich an OSR-Spielen generell mag: Hier entlang.


Crypts & Things werde ich mir mal ansehen, danke für den Tipp. Ist immer schön, neue Systeme genannt zu bekommen, von denen man noch nie etwas gehört hat. ;)

Mit dem Zuwachs in meiner Gruppe habe ich momentan, bezüglich "Conan- RuneQuest", sehr interessierte und wissbegierige Spieler am Tisch. Sonntag schrieben wir die alten Charaktere von RQ3 auf RQ6 um und hatten dabei eine Menge Spaß. Der neue Spieler (seit 1987 Rollenspieler) wird demnächst seinen Charakter erstellen und hat sich, zu meiner Freude, das Regelwerk RuneQuest6 bereits gekauft. :)
Mit diesen drei Spielern werde ich wohl keinerlei Probleme haben, was das Einlesen und Spielen des Systems angeht. Alle haben das Regelwerk gelesen, es verstanden und am wichtigsten: Sie lieben es. Sie lieben es, nur ein Teil in einer wirklich gefährlichen Welt zu sein. Gefährlich, weil ja RQ6 nicht wirklich heroisch ist und man schnell als Toter oder Krüppel enden kann, kennt bzw. nutzt man denn seine taktischen Möglichkeiten des (Kampf-)Systems nicht bzw. nicht richtig. Natürlich werden wir mal, während der laufenden Spielrunde, in dem Buch herumsuchen müssen. Das bleibt gar nicht aus. Aber wir befinden uns jetzt schon auf der "Zielgeraden". Desto mehr wir spielen, umso flüssiger wird es im Endeffekt.

Demnächst werde ich, mit/für Frau und Kind, eine kleine Kampagne für Beyond the Wall ins Leben rufen. Hier passt das Gruppenbild auch wieder. Mein Sohn (12) soll ans Pen&Paper-Rollenspiel herangeführt werden, und da eignet sich BtW einfach hervorragend. Er wird sich keinerlei Gedanken darüber machen, ob das System fehlerfrei oder ausbaufähig ist. Er wird es ganz einfach in "leicht" oder "schwer" einstufen und ob es ihm Spaß macht oder nicht. So urteilt er eben wie ein Kind bzw. ein Heranwachsender.

Am Ende muss man dann eben erkennen, dass ein Spielsystem, egal wie gut, komplex oder einfach es gestrickt ist, von der Gruppe abhängt und wie diese dies aufnimmt und umsetzt.
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Re: [Regelwerke] Komplex oder lieber einfach?

Beitragvon Greifenklaue » Donnerstag 15. Juni 2017, 07:26

Einfach? Komplex? Beides. Aber bitte gut designt, ineinandergreifend.
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Re: [Regelwerke] Komplex oder lieber einfach?

Beitragvon Athair » Donnerstag 15. Juni 2017, 13:13

Björn hat geschrieben:Crypts & Things werde ich mir mal ansehen, danke für den Tipp. Ist immer schön, neue Systeme genannt zu bekommen, von denen man noch nie etwas gehört hat. ;)
Ich will dazu noch kurz die Besprechung von Bill King (Autor der Felix-&-Gotrek-Reihe) verlinken, weil ich die sehr charmant und gelungen finde.

Greifenklaue hat geschrieben:Aber bitte gut designt, ineinandergreifend.
Von den Ansprüchen bin ich wieder abgekommen. Insbesondere duch OSR- und Freiform-Spiele. Beyond the Wall ... und andere Abenteuer ist mMn ein Spiel, das nichts davon erfüllt und das trotzdem gut ist. Weil sowohl das assoziative als auch das DIY-Moment gut funktioniert. Mir dagegen sind mittlerweile stabile (und schwer kaputtbare) Kernregeln wichtig geworden, weshalb ich Savage Worlds und Fate viel kritscher sehe als in der Kennenlern-Zeit. Beide Spiele sind mMn gut designt und ineinandergreifend. Die Kernregeln funktionieren aber nur, wenn eine Runde eine passende Bennie- bzw. Fate-Punkte-Ökonomie hinbekommt. Das hat viel mit Einfühlen, Ausprobieren und einem gut abgestimmten Gruppenkonsens zu tun und ist damit nicht so einfach herstellbar und sicherzustellen.
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